Aufdeckung stiller Reserven kann teuer werden

Mit der Bildung steuerfreier Rücklagen Steuerzahlungen verschieben

 

Wer Grund und Boden oder Gebäude zu seinem Betriebsvermögen zählt, kann sich bei den derzeitigen Wertentwicklungen glücklich schätzen. Doch wie alles, hat dies auch seine Schattenseiten. Denn übersteigt der Verkehrswert des Wirtschaftsguts den Buchwert, entstehen stille Reserven. Werden diese durch einen Verkauf aufgedeckt, können massive Steuerlasten entstehen. Die Besteuerung kann jedoch vermieden werden – durch Bildung einer steuerfreien Rücklage in Höhe der stillen Reserven (Saldo zwischen Verkehrswert und Buchwert). Allerdings muss das Wirtschaftsgut mindestens sechs Jahre zum Anlagevermögen einer inländischen Betriebsstätte gehört haben.

Übertragung auf ein Ersatzwirtschaftsgut nötig

Die Rücklage können bilanzierende Unternehmen und jene, die ihren Gewinn durch Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln, bilden. Durch die Bildung der steuerfreien Rücklage wird der Gewinn, der durch die Aufdeckung der stillen Reserven entsteht, zunächst nicht besteuert. Stattdessen ist er innerhalb von vier Jahren auf ein Reinvestitions- bzw. Ersatzwirtschaftsgut zu übertragen, das in diesem Zeitraum angeschafft werden muss. Sofern die Rücklage auf ein selbst herzustellendes Gebäude übertragen werden soll, verlängert sich die Frist auf bis zu sechs Jahre. Der Bau muss jedoch vor Ablauf der vier Jahre begonnen werden. Darüber hinaus kann die Rücklage auf ein Reinvestitionsgut übertragen werden, das bereits im Jahr vor der Aufdeckung der stillen Reserven erworben wurde.

Strafzuschläge für nicht reinvestierte Rücklagen fällig

Wurde reinvestiert, ist die Rücklage mit den Anschaffungskosten des neuen Wirtschaftsguts zu verrechnen, so dass künftig weniger Abschreibungsvolumen zur Verfügung steht. Kann die Rücklage nicht reinvestiert werden, ist sie steuerpflichtig aufzulösen. Hinzu kommt ein Strafzuschlag von 6 % für jedes Jahr, in dem die Rücklage bestanden hatte. Der Zuschlag erhöht den steuerpflichtigen Gewinn.

Beispiel

Ein Fuhrunternehmer besitzt mehrere Lagerhallen. Er verkauft im Jahr 2018 eine der Hallen, die bereits 20 Jahre zu seinem Anlagevermögen gehört (Verkaufspreis: 1,1 Mio. €, Buchwert: 100.000 €). Da er beabsichtigt, eine neue modernere Halle zu erwerben, bildet er eine steuerfreie Rücklage (1 Mio. €). Der Gewinn von 1 Mio. € wird im Jahr 2018 nicht besteuert.

Fall 1: Der Fuhrunternehmer investiert innerhalb von vier Jahren in eine neue Halle (Kaufpreis: 1,5 Mio. €). Die Rücklage kann gewinnneutral mit den Anschaffungskosten der neuen Halle verrechnet werden. Das verbleibende Abschreibungsvolumen der Halle beträgt lediglich noch 500.000 €.

Fall 2: Der Fuhrunternehmer investiert nicht. Die Rücklage ist im Jahr 2022 gewinnwirksam aufzulösen. Weiterhin ist der Gewinn um den Zuschlag von 240.000 € (6 % von 1 Mio. € für vier Jahre) zu erhöhen.

Fall 3: Der Fuhrunternehmer investiert im Jahr 2022 in eine neue Halle (Kaufpreis: 600.000 €). Die Rücklage kann teilweise gewinnneutral mit den Anschaffungskosten der neuen Halle verrechnet werden. Das verbleibende Abschreibungsvolumen der Halle beträgt 0 €. Da die Anschaffungskosten der neuen Halle geringer sind als die Rücklage, ist der übersteigende Betrag gewinnwirksam aufzulösen (Gewinnerhöhung in 2022: 400.000 €). Weiterhin ist der Gewinn um den Zuschlag von 96.000 € (6 % von 400.000 € für vier Jahre) zu erhöhen.

Zinslose Steuerstundung für fünf Jahre möglich

Und noch eine Hürde ist zu überwinden: Die Reinvestition muss in einer inländischen Betriebsstätte erfolgen. Wurde ein Ersatzwirtschaftsgut innerhalb der Europäischen Union bzw. des Europäischen Wirtschaftsraums erworben, war der Veräußerungsgewinn bisher immer sofort zu versteuern. Eine steuerneutrale Übertragung der stillen Reserven war nicht möglich. Da diese Praxis gegen die europäische Niederlassungsfreiheit verstieß, darf der Gewinn mittlerweile im Jahr der Veräußerung und in den folgenden vier Jahren jeweils mit einem Fünftel ohne jeglichen Zinszuschlag angesetzt werden.

Rücklagenbildung auch bei Ersatzbeschaffungen möglich

Doch nicht nur beim Verkauf, sondern auch für Ersatzbeschaffungen können Rücklagen gebildet werden. Voraussetzung ist, dass das Wirtschaftsgut infolge höherer Gewalt (Brand, Sturm oder Überschwemmung) oder durch andere unabwendbare Ereignisse (Diebstahl oder unverschuldeten Unfall) oder infolge bzw. zur Vermeidung eines behördlichen Eingriffs (Enteignung oder Inanspruchnahme für Verteidigungszwecke) gegen Entschädigung aus dem Betriebsvermögen ausgeschieden ist. Die Rücklage für Ersatzbeschaffungen darf jedoch nur ein Jahr beibehalten werden, soweit es sich um bewegliche Wirtschaftsgüter handelt. Die Reinvestition muss also bereits im Folgejahr erfolgen. Für Grund und Boden und Gebäude darf die Rücklage vier Jahre beibehalten werden. Wurde innerhalb von vier Jahren mit einem Neubau begonnen, kann die Rücklage bis zu sechs Jahre beibehalten werden.

Beispiel

Ein Blitz schlägt in die Scheune eines Landwirts ein. Die Scheune brennt vollständig ab. Die Scheune hatte zu
diesem Zeitpunkt einen Buchwert von 100.000 € und war auf den Zeitwert von 300.000 € versichert.

Durch die vollständige Zerstörung der Scheune ergibt sich ein Buchverlust bzw. eine Gewinnminderung von 100.000 €. Die Versicherungsentschädigung von 300.000 € ist als Betriebseinnahme zu erfassen (Gewinnerhöhung 300.000 €). Der Landwirt kann jedoch eine steuerfreie Rücklage für Ersatzbeschaffung in Höhe von 200.000 € (Differenz zwischen der Entschädigung 300.000 € und dem Buchwert 100.000 €) bilden, um den Gewinn zu neutralisieren.


 

(Stand: 13.06.2018)

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